Jahreskonvent

Kosmische Spiritualität ist hochpolitisch und geht uns alle an! Die Welt steht kurz vorm Klimakollaps. Der Raubbau im Amazonas geht weiter trotz vieler Proteste. Aber wenn ich nur von „Schöpfung“ spreche, schaue ich auf das, was um mich herum ist – wenn ich aber „Kosmos“ sage, ist das große Ganze im Blick und ich irgendwo mittendrin – und zwar ziemlich klein!

Dazu kommt die Frage: Warum ist uns die Liebe zum großen Ganzen verloren gegangen? In der Antike war der Kosmos in der Vorstellung der Menschen ganz auf die Erde bezogen; darum fühlten sich die Menschen in ihm beheimatet. Mit der Neuzeit kam die mechanistische Schöpfungsvorstellung. Leibniz sieht die Schöpfung wie ein Uhrwerk und Gott als Uhrmacher. Damit verloren die Menschen ihre Heimat im Großen Ganzen. Die Erde ist ein winziges Fastnichts im Universum. Darwins Evolutionstheorie zeigte dann den Menschen als wenig unterschieden von der Tierwelt… Und Freud erkannte, dass der Mensch triebgesteuert ist und keineswegs die Krone der Schöpfung!

All das sind Nichtigkeitserfahrungen, die die Menschheit im Kosmos heimatlos machen! Die Menschheit taumelt, hat „Sinn“ und Richtung ihres Daseins verloren.

Die Theologie hat sich schon lange verabschiedet vom Gespräch mit den Naturwissenschaften, als ob der Glaube nur mit der persönlichen Gottesbeziehung zu tun habe und nicht mit der „Welt“! Jetzt ist es Zeit, eine neue Sprache zu finden. Die Möglichkeit gibt uns die Quantenphysik. In ihr sind Materie und Geist kein Gegensatz mehr wie im mechanistischen Weltbild. Vergleichbar mit den Aggregatzuständen von Wasser gibt es das „Eis“, also eine feste Erscheinungsform von Wirklichkeit, die wir Materie nennen, eine „gasförmige“, die wir Geist nennen. Und das lebendige Wasser wäre das „Leben“, bewegt und beweglich. 

Durch die neuen Weltmodelle der Quantenphysik wird auch deutlich: Alles ist mit allem verbunden. Das ist der Grundsatz feministischer Spiritualität. Es stellt sich also die Aufgabe, die Erkenntnisse der Naturwissenschaften in theologische Sprache zu fassen; verständlich, nicht nur für Expertinnen. Dem widme ich mich in meinem neuen Buch. Es gilt die Liebe zum großen Ganzen, zu diesem wunderbaren Kosmos, zur Erde zu entwickeln. Denn nur, was wir lieben, können wir schützen! Insofern ist kosmische Spiritualität hochpolitisch – und eine große spirituelle Aufgabe.

[Auszug aus einem Interview mit PD Dr. Brigitte Enzner Probst, erschienen im Rundbrief Nr. 62, 11.2022]

 

 

Einladung zur Jahrestagung des Theologinnenkonvents 
am 22. Januar 2022 via Zoom

Thema:                 Schöpfungsspiritalität, kosmischer Christus und Extinction Rebellion
Referentin:            PD Dr. Brigitte Enzner-Probst    
Tagungsbeginn:    9 Uhr
Tagungsende:       gegen 17 Uhr

Kosten:                 15,00 €
                             Studentinnen/ Vikarinnen bei der Erstteilnahme 5,00 €, Kinder frei;
            

Wir planen auch für die Kinder ein Online-Wiedersehen und ein kleines Programm, in der Workshopzeit am Nachmittag, ca. 14:00 – 15:30 Uhr. Herzliche Einladung!
Bitte Anzahl und Alter der Kinder bei der Anmeldung angeben.
 


Anmeldung über die Excel-Tabelle auf der Homepage https://bayern.theologinnenkonvent.de/
bis spätestens 5. Januar

Rückfragen an: marionhegwein@posteo.de
Den Tagungsbeitrag bitte mit dem Stichwort „Konvent 2022“ auf das Konto des Theologinnenkonvents überweisen: IBAN DE41 5206 0410 0003 4040 64, Ev. Bank Kassel


Literaturempfehlungen zum Thema:


Wenn ihr euch schon einmal einlesen wollt, hier ein paar Hinweise:

1. Brigitte Enzner-Probst, Kosmische Erziehung. Über die Möglichkeit, Schöpfungsspiritualität zu lehren angesichts der ökologischen Krise, in: Diesselbe, Elisabeth Moltmann-Wendel,( Hginnen), Schöpfungsspiritualität lehren, lernen und leben. Theologische Aspekte- Praktische Impulse, Ostfildern 2013, 197-214

2. Brigitte Enzner-Probst, Kreative Erlösung. Eine Perspektive auf Schöpfungstheologie und Christologie aus der liturgischen Praxis von Frauen, aaO 22-42
Achtung: Dieses Buch, aus der Gemeindepraxis für die Praxis, ist vergriffen und auch antiquarisch nicht mehr zu bekommen ( gutes Zeichen!). Ich habe es deshalb nachdrucken lassen und bringe auch einige Exemplare zur Tagung mit. Wer es vorher zugeschickt bekommen möchte, soll mir mailen, ich schicke es dann zu. Preis statt 25,00€ nur 20,00€ plus Porto.

3. Isis Ibrahim, Geschaffen zum Leben. Entwurf einer (Schöpfungsgeschichte-) Theologie des Geborenseins, Regensburg 2015.
Dieses Buch gibt es z.B. bei booklooker für 15,00€. 

4. Wenn ihr euch biblisch zum Thema orientieren wollt, dann lest doch bitte die unbekannteren Schöpfungstexte der Bibel z. B. Hiob, Jesaja, Psalm 8 und 104, Sprüche, Offenbarung 21.
Ebenso die Christushymnen im Neuen Testament (in Auswahl) Joh 1.1-18; Phil 2,5-11; Kol 1,15-20; Eph 1,3-14.