Geschlechtergerechtigkeit

Eine Frau steht am Fuß einer Leiter fast ohne Sprossen neben einem Mann, der am Fuß einer Leiter mit vielen Sprossen steht
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„Kirche.Feiert.Frauen" - Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern würdigt 50 Jahre Frauenordination

Zum Internationalen Frauentag am 8. März 2025 erinnert die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern an einen bedeutenden Meilenstein in ihrer Geschichte: 50 Jahre Frauenordination. Die Landessynode hatte Anfang Dezember 1975 den richtungsweisenden Beschluss gefasst, Frauen als Pfarrerinnen zuzulassen. Im Frühjahr 1976 ist die erste Frau in Bayern zur Pfarrerin ordiniert worden.
Bis Anfang nächsten Jahres laden Veranstaltungen unter der Überschrift „50 Jahre Frauenordination“ zur Reflexion, Diskussion und zum gemeinsamen Feiern ein. Höhepunkt ist das große Jubiläumswochenende vom 28. Februar bis 1. März 2026 in Nürnberg unter dem Motto Kirche.Feiert.Frauen. Es wird vom Theologinnenkonvent, dem Pfarrerinnen- und Pfarrerverein, von Landesbischof Christian Kopp, Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel, Personalreferent Oberkirchenrat Stefan Reimers und weiteren kirchlichen Stellen gemeinsam organisiert.
„50 Jahre Frauenordination - das ist ein Grund zum Feiern und ein Zeichen des Wandels. Was einst umstritten war, ist heute unverzichtbar: Frauen gestalten den Pfarrberuf mit Kompetenz, Leidenschaft und Glauben. Doch Gleichberechtigung ist kein abgeschlossener Prozess - sie bleibt eine Aufgabe. Gemeinsam müssen wir dafür sorgen, dass Leitungsverantwortung in der Kirche für Frauen und Männer gleichermaßen offensteht. Denn Kirche lebt von Vielfalt - und von der Berufung aller, die ihr dienen wollen,“ erklärt die Synodalpräsidentin. Der Landesbischof betont: „Frauen bereichern seit fünf Jahrzehnten mit ihrer Berufung, ihrem Wissen und ihrem großen Einsatz den Pfarrdienst. Ihre Arbeit hat unsere Kirche geprägt, erneuert und gestärkt. Unser Weg ist noch nicht zu Ende: Wir stehen weiterhin für eine Kirche ein, in der Vielfalt selbstverständlich ist und Gleichstellung immer mehr Realität wird.“

München, 7. März 2025

Christine Büttner, Pressesprecherin
E-Mail: pressestelle@elkh.de
 

 


 

Übergabe von Zeitzeuginnen-Interviews als Schenkung Pressegespräch am 20. März um 14.30 Uhr
 

Am 20. März 2025 wird dem Landeskirchlichen Archiv der ELKB ein besonderer Archivbestand als Schenkung übergeben: Es handelt sich um 42 Interviews mit Frauen, die in der Geschichte der ELKB bedeutsam waren.
Geführt wurden diese Interviews in dem Zeitraum von 2015 bis 2024 durch den Arbeitskreis Frauenkirchengeschichte. Dieser Arbeitskreis hatte sich 1996 im landeskirchlichen Frauenreferat (später „Frauengleichstellungsstelle der ELKB“) gegründet, um „Frauen aus dem Schatten herauszuholen“ und ihre Leistungen für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern sichtbar werden zu lassen. Sigrid Schneider-Grube war eine der ersten landeskirchlichen Frauenbeauftragten in der ELKB und Initiatorin des historischen Arbeitskreises.
Bei den interviewten Frauen handelte es sich um Akteurinnen aus verschiedenen Wirkungsbereichen wie Theologie, Diakonie, gemeindliche Frauenarbeit, Kirchenmusik und Spiritualität sowie Frauengleichstellungsbeauftragte, Kirchenvorsteherinnen und Synodalinnen. Interviewt wurden unter anderem die kürzlich verstorbene Theologin und Oberkirchenrätin Gudrun Distel und Hiltrud von Loewenich, die Frau des ehemaligen Landesbischofs.
Durch die Interviews werden das Leben, Denken und Handeln evangelischer Frauen ab 1945 nachgezeichnet und die Stimmen von Frauen für die Nachwelt festgehalten. Die Aufzeichnungen stellen daher wertvolle Quellen für die künftige Kirchengeschichtsforschung dar. Bei den Interviews handelt es sich um digitale Tonaufnahmen. Sie werden künftig im Digitalen Langzeitarchiv des Landeskirchlichen Archivs aufbewahrt und außerdem in einem Online-Archivinformationssystem so mit Angaben beschrieben, so dass sie von jedem Interessierten gefunden werden können.
Der Arbeitskreis ist am 20.3. unter anderem durch Sigrid Schneider- Grube und Barabara Dietzfelbinger vertreten, sie werden über den Arbeitskreis, dessen Aktivitäten und die Interviews berichten. Zusätzlich werden auch die Referentin vom forum trauen, Frau Dr. Andrea König, und eine Vertreterin des Theologinnenkonvents teilnehmen.

Pressetermin:
Donnerstag, 20. März 14.30 Uhr
Landeskirchliches Archiv, Konferenzraum Kontakt:
Dr. Alexandra Lutz: alexandra.lutz@elkb.de
 

 


 

Offener Brief der Evangelischen Frauen in Bayern an die Kirchenleitenden Organe vom 24.07.2024:

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Evangelische Frauen in Bayern • Sperberstraße 70 • 90461 Nürnberg

An die Kirchenleitenden Organe


Nürnberg, 24. Juli 2024

Offener Brief an die Kirchenleitenden Organe

Sehr geehrter Herr Landesbischof,
sehr geehrte Mitglieder des Landeskirchenrates,
sehr geehrte Präsidentin der Landessynode und geehrte Mitglieder des Landessynodalausschusses und der Landessynode, die Evangelischen Frauen in Bayern, EFB, begrüßen die Diskussion über Frauenförderung, in der ELKB. Dabei steht insbesondere die größere Teilhabe von Frauen in Führungspositionen derzeit im Focus.
Mit folgenden Überlegungen möchte die EFB dazu beitragen, die Repräsentanz von Frauen in der ELKBzu stärken.


Stellenabbau führt zu Verdrängung von Frauen

Es ist nicht verwunderlich, dass in der aktuellen Situation die Frage nach Frauen in Führungspositionen gestellt wird. Über den Einzelfall hinaus, der Anlass für diese Debatte ist, sind Zeiten des Stellenaufwuchses – gerade auch in Leitung - eine gute Zeit für Frauen in gestaltenden Positionen. Frauen profitieren eher konfliktfrei vom Zuwachs. In Phasen, in denen das institutionelle Angebot an Führungspositionen schrumpft, wie es gegenwärtig in der ELKB geschieht, konkurrieren Frauen und Männer um das Weniger und Frauen finden ungenügend Berücksichtigung.
Erinnern Sie sich, als es noch vier Predigerseminare gab, wurde eines von einer Frau geleitet. Seit den Zusammenlegungen hat keine Frau mehr diese Funktion innegehabt, wenngleich der Anteil der Vikarinnen deutlich zugenommen hat - seit ca. 20 Jahren fehlt ein Rollenmodell Leitung für junge Pfarrerinnen.
Gerade in Zeiten des Stellenabbaus muss bewusst und planvoll gegengehalten werden gegen die Verdrängung von Frauen.

Mangelnde Wertschätzung führt zur Entmutigung

Im Jahr 2025 werden 50 Jahre Frauenordination in der ELKB gefeiert werden. Dieses halbe Jahrhundert ist eine lange und gleichzeitig eine kurze Geschichte von Frauen im Pfarramt in unserer Landeskirche. Noch kürzer ist die Geschichte von Frauen in leitenden Funktionen in der ELKB und diese ist nicht nur eine Erfolgsgeschichte.
Den positiven Entwicklungen auf mittlerer Ebene, von der ersten Dekanin 1990 bis zu knapp 30% Dekaninnen im Jahr 2024, steht insbesondere bei der Leitung von Diensten und Einrichtungen auch eine Geschichte des Drehtür-Effekts1 gegenüber. So übernahm 1992 die erste Pfarrerin die Leitung einer überparochialen Einrichtung und nach kurzer Zeit endet dieser erste Aufbruch in einem Abbruch. Zu wenig Unterstützung, das war keine Einzelerfahrung in der ELKB für Frauen in Leitungsfunktionen oder in der Bewerbung auf diese. Diese leidvollen Erfahrungen bleiben im Gedächtnis der Frauen und haben immer wieder auch zu Abwanderungen von kompetenten Frauen in andere Landeskirchen geführt. Institutionelle Ermutigungs- und Unterstützungsstrukturen müssen insbesondere für Frauen sichergestellt werden.


Vielfalt von Leitungskonzepten wird nicht genutzt

Neue strukturelle Bedingungen wie Stellenteilung oder vollzeitnahe Stellen eröffneten Optionen bei der Gestaltung von Leitungspositionen. Diese Optionen, um insbesondere Frauen für Leitungsübernahme zu gewinnen, werden offensichtlich wieder verengt. Die Rahmenbedingungen zu flexibilisieren, erhöht die Beschäftigungschancen für Frauen auf allen Ebenen. Die Erfahrungen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen fördern auch das Interesse von Frauen an Führungsaufgaben.
Ebenso sind strategische Investitionen in Führungsqualifikationen unverzichtbar.
Das Ziel, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, erfordert flexible Arbeitszeitgestaltung und gezielte Maßnahmen zur Förderung von Frauen für Führungsaufgaben.

Dies sind nur einige Schlaglichter zum Thema der gerechten Teilhabe von Frauen auf allen Ebenen in der
Kirche. Gerne bringen wir uns weiterhin in die Diskussion um Lösungsansätze ein.

Mit freundlichen Grüßen


Der Vorstand der EFB

Dr. Johanna Beyer Katharina Geiger Sabine Rüdiger Hahn Monika Siebert-Vogt

P.S.- Nachdem dieser Brief verfasst wurde, kam die Nachricht über die Berufung der neuen Leitung des Landeskirchenamtes. Mit Freunde hat die EFB dieses gute Signal wahrgenommen, dass die Entscheidung bei der Besetzung der Oberkirchenratsstelle ‚Leitung des Landeskirchenamtes‘ auf eine Frau gefallen ist. Damit ist jedoch die Grundsatzfrage, wie Frauen auf allen kirchlichen Leitungsebenen in der ELKB
gefördert werden, noch nicht erledigt.


1 Der “Drehtüreffekt” bezieht sich oft auf das Phänomen, dass Frauen, die in geschlechtsuntypischen Berufen/ Funktionen arbeiten, diese Berufe/Funktionen – aus welchen Gründen auch immer - wieder verlassen und in traditionell weiblich Positionen gehen.
 

 

Instagram-Mitglied sistanicole (https://www.instagram.com/sistanicole/) schreibt:

Die Debatte um #chancengerechtigkeit (https://www.instagram.com/explore/tags/chancengerechtigkeit/) in @bayernevangelisch (https://www.instagram.com/bayernevangelisch/) ist entbrannt! Gut so!
Es wird höchste Zeit, dass die wir diese Fragen wieder nach vorne holen, nachdem die bayerische Landeskirche schon einmal weiter war, als das Gleichstellungsgesetz (2002) verabschiedet oder die Fachstelle Chancengerechtigkeit besser ausgestattet (2024) wurde. 
Aber: Es ist noch immer nicht gelungen, die "gläserne Decke" für Frauen in höchsten kirchlichen Leitungsämtern zu durchstoßen. Das ist auch nach 22 Jahren Gleichstellungsgesetz nicht gelungen. Und mehr noch: Die "gläserne Decke" besteht fort, auch wenn die Verfassung der ELKB (Art 11) sagt, dass der Anteil von Frauen in den Bereichen zu erhöhen sei, in denen sie "im erheblich geringeren Maße" beschäftigt seien. - Das gilt allemal für die höchsten kirchlichen Leitungsämter. 
Es geht also um die "gläserne Decke", die in Bayern existiert und zu durchbrechen ist durch:
- Fokus auf Art. 11 der Verfassung in allen Berufungsgeschehen
- Ernstnehmen des Gleichstellungsgesetzes
- Gleichstellungsbeauftragte in allen Berufungsverfahren
- proaktives und nachgewiesenes Headhunting sowie Umsetzung von §6, Abs. 3, nach dem ebenso viele Frauen wie Männer zum Gespräch eingeladen werden sollen, wenn in einem Bereich Frauen unterrepräsentiert sind,
- und ja: auch Frauenquote, denn Freiwilligkeit hat nach 22 Jahren nicht dazu geführt, dass Gleichstellung "verwirklicht" wird (§2). 
Die "gläserne Decke" wird auch durchstoßen durch
- konzises Mentoring
- networking
- Verpflichtung der Kommissionen, Gleichstellung ernst zu nehmen
- Beachtung von Bewertungsfehlern durch "gender bias"
Und das Beste: All dies muss nicht neu erfunden werden, sondern lässt sich im öffentlichen Dienst und an so vielen anderen Stellen studieren. 
Also: nieder mit der "gläsernen Decke"!
#chancengerechtigkeit (https://www.instagram.com/explore/tags/chancengerechtigkeit/) #genderequality (https://www.instagram.com/explore/tags/genderequality/) #gendergap (https://www.instagram.com/explore/tags/gendergap/) #frauen (https://www.instagram.com/explore/tags/frauen/) #führungskräfteentwicklung (https://www.instagram.com/explore/tags/f%C3%BChrungskr%C3%A4fteentwickl…) #welcome (https://www.instagram.com/explore/tags/welcome/) #future (https://www.instagram.com/explore/tags/future/)

 

Link zum oben zitierten Post:

https://www.instagram.com/p/C9Fe7umNRo7/?igsh=MWNqbnMweDBicmdjZA%3D%3D

 

Weitere Informationen zum Thema "Geschlechtergerechtigkeit"

 

Link zum Artikel "Aufstand gegen die Männerkirche" in der Süddeutschen Zeitung vom 28. Juni 2024:

https://archive.is/2024.06.28-130055/https://www.sueddeutsche.de/bayern…